Zwei Schadensbilder, zwei völlig unterschiedliche Diagnoseansätze: Während Algenbefall auf Luftbildern meist unmittelbar sichtbar ist, verraten sich Hohlstellen nur indirekt. Wie eine Drohnenbefliegung mit beiden Phänomenen umgeht.
Unter den zahlreichen Schadensbildern, die an einer WDVS-Fassade auftreten können, verdienen zwei besondere Aufmerksamkeit: Algenbefall, weil er großflächig auftritt und meist zuerst ins Auge fällt, und Hohlstellen, weil sie sicherheitsrelevant sind, aber von außen oft unsichtbar bleiben. Beide Schadensbilder zeigen exemplarisch, wie unterschiedlich sich eine Luftbilddiagnose je nach Schadenstyp gestaltet – und wo ihre Grenzen liegen.
Algenbefall: ein bauphysikalisches Phänomen
Algen- und Pilzbewuchs tritt an WDVS-Fassaden nach Beobachtungen aus der Praxis häufiger auf als an massiven, ungedämmten Wänden. Der Grund liegt in der Bauphysik des Systems: Weil die Dämmschicht den Wärmestrom aus dem Gebäudeinneren nach außen weitgehend unterbindet, kühlt die Putzoberfläche nachts stärker aus als bei einer massiven Wand ohne Dämmung. Sinkt die Oberflächentemperatur unter den Taupunkt der umgebenden Luft, bildet sich Kondenswasser auf dem Putz – und genau dieses Feuchtigkeitsangebot begünstigt das Wachstum von Algen und Pilzen. Betroffen sind bevorzugt Nord- und Wetterseiten, die seltener abtrocknen, sowie der Sockelbereich, wo zusätzlich Spritzwasser vom Boden auftrifft.
Für die Diagnose per Drohne ist Algenbefall vergleichsweise unkompliziert zu erfassen: Der grünliche oder rötliche Bewuchs ist auf hochauflösenden RGB-Aufnahmen gut sichtbar und lässt sich flächenscharf dokumentieren. Der eigentliche Mehrwert der Befliegung liegt hier weniger in der Erkennung selbst – die ist auch vom Boden aus oft möglich – sondern in der vollständigen und systematischen Erfassung aller Fassadenseiten, einschließlich Giebeln, Innenhöfen oder oberen Geschossen, die von unten kaum einsehbar sind. Erst die Gesamtübersicht zeigt, ob es sich um vereinzelte Flecken oder um ein flächendeckendes Muster handelt, das auf ein grundsätzliches bauphysikalisches Problem der Fassade hindeutet.
Hohlstellen: sicherheitsrelevant, aber schwer sichtbar
Anders liegt der Fall bei Hohlstellen. Sie entstehen, wenn sich die Dämmplatte partiell vom Untergrund löst, meist durch unzureichende Verklebung. Von außen sind sie in der Regel nicht direkt erkennbar – die klassische Prüfmethode vor Ort ist das Abklopfen der Fassade, bei dem ein hohler Klang auf eine Ablösung hinweist. Dieses Verfahren lässt sich aus der Luft naturgemäß nicht durchführen.
Eine Drohnenbefliegung kann Hohlstellen daher nur indirekt eingrenzen: über feine Unregelmäßigkeiten in der Putzoberfläche, die im hochauflösenden Foto auffallen, sowie ergänzend über die Thermografie, bei der ein Luftpolster hinter der Putzschicht mitunter ein abweichendes Wärmemuster erzeugt. Beide Hinweise liefern Verdachtsflächen, keine abschließende Diagnose. Erst die klassische Prüfung vor Ort – etwa per Abklopfen oder Handsondierung – kann bestätigen, ob tatsächlich eine Hohlstelle vorliegt und wie groß sie ist.
Die Relevanz dieses Schadensbildes liegt in seiner Sicherheitsdimension: Größere Hohlstellen gelten als Mangel, bei dem sich Putz- oder Dämmplattenteile lösen und herabfallen können. An Mehrfamilienhäusern mit Gehwegen, Eingangsbereichen oder Stellplätzen direkt an der Fassade ist das nicht nur ein Instandhaltungs-, sondern auch ein Verkehrssicherheitsthema.
Warum die Unterscheidung für die Praxis wichtig ist
Algenbefall und Hohlstellen unterscheiden sich nicht nur in ihrer Erkennbarkeit, sondern auch in der Konsequenz, die sich aus einem Befund ergibt. Algenbefall ist in erster Linie ein optisches und bauphysikalisches Thema: Er beeinträchtigt das Erscheinungsbild der Fassade und kann, wenn er über längere Zeit unbehandelt bleibt, zu einer dauerhaften Durchfeuchtung der Putzoberfläche beitragen. Eine unmittelbare Gefahr für Personen oder Sachwerte geht davon in aller Regel nicht aus. Bei Hohlstellen liegt der Fall anders: Sie betreffen die strukturelle Anbindung der Dämmung an den Untergrund und damit potenziell die Standsicherheit einzelner Putz- oder Dämmplattenbereiche. Ein Befund in dieser Kategorie sollte deshalb nicht mit derselben Dringlichkeit behandelt werden wie ein rein optischer Mangel, sondern zügig einer Prüfung vor Ort zugeführt werden.
MerkmalAlgenbefallHohlstelle
Erkennbarkeit per LuftbildDirekt, über RGB-FotografieNur indirekt, über Oberflächenauffälligkeiten/Thermografie
Typische LageNord-/Wetterseiten, SockelbereichKeine feste Vorzugslage, häufig an Fugen und Anschlüssen
Unmittelbare DringlichkeitMeist gering bis mittelPotenziell hoch, sicherheitsrelevant
Bestätigung vor Ort nötig?In der Regel nicht zwingendJa, insbesondere per Abklopfen
Beide Verfahren im Zusammenspiel
In der praktischen Anwendung ergänzen sich RGB-Fotografie und Thermografie: Die Fassade wird systematisch und überlappend abgeflogen, sodass beide Aufnahmearten für jeden Bereich vorliegen. Auffälligkeiten aus beiden Datensätzen werden anschließend übereinandergelegt und einer Position am Gebäude zugeordnet. Das Ergebnis ist eine Fassadenkarte, die Algenbefall flächig ausweist und Hohlstellen-Verdachtsbereiche punktuell markiert – als Grundlage für die Priorisierung, welche Stellen zuerst vor Ort geprüft werden sollten.
Grenzen der Methode
Eine Luftbilddiagnose ist ein qualitatives Screening-Verfahren. Sie ersetzt keine Vor-Ort-Prüfung, insbesondere nicht bei sicherheitsrelevanten Befunden wie Hohlstellen. Zudem ist die Aussagekraft der Thermografie witterungsabhängig: direkte Sonneneinstrahlung, Niederschlag oder starker Wind können Wärmemuster auf der Oberfläche verfälschen oder unbrauchbar machen. Eine belastbare Diagnose setzt daher geeignete Aufnahmebedingungen voraus – die konkrete Wahl von Zeitpunkt und Witterung obliegt der fachlichen Einschätzung des Thermografen und ist nicht normativ auf einen festen Zeitpunkt festgelegt.
Hinzu kommt eine methodische Grenze: Auch punktuelle Wärmebrücken, die keinerlei sicherheitsrelevante Bedeutung haben – allen voran die bereits erwähnten Dübelabzeichnungen –, erzeugen im Thermogramm auffällige Muster. Wer die Aufnahmen auswertet, muss deshalb in der Lage sein, ein regelmäßiges, rasterartiges Punktmuster von Dübeln von einer unregelmäßigen, flächigeren Anomalie zu unterscheiden, die eher auf eine Hohlstelle oder Feuchtigkeit hindeutet. Eine sorgfältige, geschulte Auswertung ist damit ebenso Teil der Methode wie der Flug selbst – ein unkommentierter Foto- und Thermogrammsatz allein liefert noch keine verlässliche Diagnose.
Praktische Konsequenz für Auftraggeber
Für Eigentümer und Verwaltungen, die eine Befliegung beauftragen, folgt daraus ein einfacher Grundsatz: Ein Bericht, der Algenbefall und Hohlstellen-Verdachtsflächen ausweist, ist eine Grundlage für die weitere Planung, keine abgeschlossene Diagnose. Während sich bei Algenbefall meist direkt eine Reinigung oder eine Anpassung der Fassadenpflege ableiten lässt, sollten Hohlstellen-Verdachtsbereiche konsequent einer Prüfung vor Ort zugeführt werden, bevor über eine Sanierung entschieden wird. Diese Zweistufigkeit – Luftbilddiagnose als Screening, Vor-Ort-Prüfung als Bestätigung – ist der wesentliche Unterschied zu einer rein visuellen Begutachtung vom Boden aus, die schwer einsehbare Bereiche der Fassade gar nicht erst erfasst.
Woher wir das wissen
Die bauphysikalische Erklärung für erhöhten Algenbefall an gedämmten Fassaden sowie die typischen Ursachen und Erscheinungsformen von Hohlstellen sind recherchiert und belegt.
Die indirekte Erkennbarkeit von Hohlstellen über Oberflächenauffälligkeiten und Thermografie ist eine plausible fachliche Einordnung, keine normierte Prüfmethode – eine Bestätigung vor Ort bleibt erforderlich.
Aussagen zu optimalen Witterungsbedingungen für Thermografieaufnahmen sind allgemeines Praxiswissen, keine belegte Norm-Vorgabe.
Thermografie ist gemäß DIN EN ISO 6781-1:2023 ein qualitatives, kein quantitatives Verfahren.
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PSCoat nach dem Befund
Wurde bei der Auswertung ein größerer Anteil auffälliger Flächen festgestellt, stellt sich häufig die Frage nach dem weiteren Vorgehen. Die Betreiberin dieser Seite vertreibt mit PSCoat eine dünnschichtige Beschichtung für Gebäudehüllen, Dächer und technische Anlagen, die als ein Baustein einer solchen Sanierung infrage kommen kann. Ob sie für die konkret festgestellten Schäden geeignet ist, lässt sich erst nach der Vor-Ort-Prüfung durch einen Sachverständigen beurteilen. Details zum Produkt gibt es auf der Website von PSCoat.