Von der Vorbereitung über den Flug bis zum Prüfbericht: Eine Drohneninspektion einer WDVS-Fassade folgt einem festen Ablauf. Ein Überblick über die einzelnen Schritte und was dabei technisch und organisatorisch zu beachten ist.
Eine Drohneninspektion einer WDVS-Fassade ist mehr als ein kurzer Rundflug mit Kamera. Damit die Aufnahmen am Ende tatsächlich eine belastbare Grundlage für die Bewertung des Gebäudezustands liefern, folgt eine professionelle Befliegung einem strukturierten Ablauf aus Vorbereitung, Flug, Auswertung und Dokumentation. Der folgende Überblick zeigt die einzelnen Schritte.
1. Vorbereitung und Rahmenbedingungen
Vor dem eigentlichen Flug steht die Planung. Dazu gehört die Prüfung der örtlichen Gegebenheiten: Gebäudehöhe, umliegende Bebauung, Bäume oder Leitungen, die den Flugraum einschränken könnten, sowie mögliche Abstandsflächen zu sensiblen Bereichen wie Flugplätzen oder Bahnanlagen. Ebenso gehört die Klärung der Zustimmung des Grundstückseigentümers beziehungsweise – bei Wohnungseigentümergemeinschaften – der Hausverwaltung zur Vorbereitung, da ein Überflug des Wohngrundstücks ohne Einwilligung grundsätzlich nicht zulässig ist. Auch Wetterfenster spielen eine Rolle: Wind, Niederschlag und starke Sonneneinstrahlung wirken sich sowohl auf die Flugsicherheit als auch auf die Aussagekraft thermografischer Aufnahmen aus.
2. Der Flug
Beim eigentlichen Flug wird die Fassade systematisch und überlappend abgeflogen, meist in mehreren Ebenen von unten nach oben, um alle Bereiche der Gebäudehülle vollständig zu erfassen – auch obere Geschosse, Giebel und schwer zugängliche Stellen, die von einer Hebebühne oder einem Gerüst aus nur mit erheblichem Aufwand erreichbar wären. Parallel zur klassischen RGB-Fotografie kommt in der Regel eine Wärmebildkamera zum Einsatz, mit der thermische Auffälligkeiten wie Dübelabzeichnungen oder mögliche Wärmebrücken erfasst werden. Die eingesetzten Fluggeräte müssen registriert und mit sichtbarer Betreibernummer gekennzeichnet sein, der Steuerer benötigt je nach Einsatzszenario einen Kompetenznachweis, und für das Gerät muss eine Halterhaftpflichtversicherung bestehen. Je nach Gebäudegröße kommen bei einer vollständigen Befliegung schnell mehrere hundert Einzelaufnahmen zusammen, da die Bildbereiche überlappen müssen, damit später kein Fassadenabschnitt in der Auswertung fehlt.
3. Auswertung der Aufnahmen
Nach dem Flug werden die einzelnen Fotos und Thermogramme gesichtet, den jeweiligen Fassadenbereichen zugeordnet und auf Auffälligkeiten hin ausgewertet: Risse, Verfärbungen, Bewuchs, unregelmäßige Wärmemuster. Die Thermografie liefert dabei, wie bei diesem Verfahren üblich, eine qualitative Einordnung thermischer Anomalien – keine quantitative Berechnung von U-Werten. Als fachliche Grundlage dient die DIN EN ISO 6781-1:2023 in Verbindung mit der VATH-Richtlinie Bauthermografie. Auffällige Bereiche werden markiert und dokumentiert, damit sie im nächsten Schritt gezielt weiterverfolgt werden können.
4. Bericht und Übergabe
Am Ende steht ein Prüfbericht, der die Aufnahmen, die identifizierten Auffälligkeiten und ihre ungefähre Lage am Gebäude zusammenfasst. Je nach Anbieter unterscheidet sich der Detailgrad – von einer reinen Bildsammlung mit Kommentierung bis zu einer strukturierten Fassadenkarte mit Prioritätenliste für die weitere Prüfung oder Sanierung. Dieser Bericht ersetzt keine bautechnische Begutachtung vor Ort, liefert aber die Grundlage, um zu entscheiden, welche Bereiche der Fassade näher untersucht werden sollten.
Was den Ablauf in der Praxis beeinflusst
Wie lange eine Inspektion von der ersten Anfrage bis zum fertigen Bericht dauert, hängt von mehreren Faktoren ab. Die Gebäudegröße und -komplexität spielt eine Rolle: Ein einzelnes freistehendes Mehrfamilienhaus lässt sich in der Regel deutlich schneller und mit weniger Flugpositionen erfassen als ein verwinkelter Gebäudekomplex mit mehreren Innenhöfen, Anbauten und unterschiedlichen Fassadenorientierungen. Auch die Zugänglichkeit des Umfelds wirkt sich aus: Enge Straßen, dicht stehende Nachbargebäude oder Bäume in Fassadennähe können den möglichen Flugraum einschränken und zusätzliche Planung erfordern.
Ein weiterer Faktor ist die Abstimmung mit der Hausverwaltung oder der Eigentümerversammlung. Da ein Überflug des Wohngrundstücks nach § 21h LuftVO grundsätzlich der Zustimmung des Nutzungsberechtigten bedarf, sollte diese Abstimmung frühzeitig erfolgen – insbesondere wenn beim Anflug auch Nachbargrundstücke berührt werden könnten, für die eine zusätzliche Zustimmung erforderlich ist. In der Praxis empfiehlt es sich, diesen Punkt bereits bei der Anfrage beim Dienstleister zu klären, damit der eigentliche Flugtermin nicht an einer fehlenden Freigabe scheitert.
Schließlich bestimmt das Wetter den Zeitrahmen mit: Ein Flugfenster mit ausreichender Sicht, moderatem Wind und – für aussagekräftige Thermogramme – geeigneten Temperaturverhältnissen ist nicht an jedem Tag gegeben. Seriöse Anbieter planen deshalb einen gewissen zeitlichen Puffer ein, statt einen fixen Termin ohne Rücksicht auf die Witterung zuzusagen.
Kosten im Überblick
Die Kosten einer Drohneninspektion hängen stark von Gebäudegröße und Umfang der Auswertung ab. Laut Anbieterangaben bewegen sie sich grob zwischen 150 und 1.500 Euro; Ein Anbieter staffelt seine Preise nach Gebäudegröße: 750 Euro als Einstiegspreis bei kleineren Gebäuden bis 1.000 Quadratmeter Fassadenfläche, 1.200 Euro bei größeren Gebäuden oder Industrieobjekten, dazu 250 Euro für eine ausführliche Auswertung samt Bericht. Diese Zahlen sind ausdrücklich Anbieterangaben und keine amtlich festgelegten Preise – sie schwanken je nach Anbieter, Region und Leistungsumfang.
SchrittInhalt
VorbereitungStandortprüfung, Zustimmung Eigentümer/WEG, Wetterfenster, rechtliche Rahmenbedingungen
FlugSystematische Befliegung mit RGB- und Wärmebildkamera
AuswertungZuordnung der Aufnahmen, Erkennung von Auffälligkeiten
BerichtDokumentation mit Lageangaben als Grundlage für weitere Schritte
Wiederkehrende Kontrolle als sinnvoller Anschlussschritt
Eine einzelne Befliegung liefert eine Momentaufnahme des Fassadenzustands. Da sich Schäden wie Risse oder Hohlstellen über Jahre weiterentwickeln können, bietet es sich an, die erste Inspektion als Ausgangspunkt zu verstehen und in sinnvollen Abständen zu wiederholen – wie oft, hängt vom Gebäudezustand und der individuellen Einschätzung ab und ist nicht gesetzlich vorgeschrieben. Wiederholte Befliegungen lassen sich zudem mit der ursprünglichen Dokumentation vergleichen, wodurch sich Veränderungen an einzelnen Schadstellen nachvollziehen lassen, statt bei jeder Prüfung wieder bei null anzufangen. Wer die erste Befliegung sorgfältig dokumentieren lässt – mit eindeutiger Zuordnung der Aufnahmen zu Fassadenseite und Position – schafft damit die Grundlage dafür, dass ein späterer Vergleich überhaupt aussagekräftig ist.
Woher wir das wissen
Rechtliche Rahmenbedingungen (Registrierung, Kompetenznachweis, Halterhaftpflichtversicherung, Zustimmungspflicht nach § 21h LuftVO) sind recherchiert und belegt.
Normengrundlage der Thermografie (DIN EN ISO 6781-1:2023, VATH-Richtlinie April 2023) ist recherchiert und belegt.
Konkrete Ablaufschritte (Flugmuster, Detailgrad der Auswertung) beschreiben allgemeine Branchenpraxis und sind nicht anhand einer einzelnen Primärquelle verifiziert.
Kostenangaben sind ausdrücklich als Anbieterangaben gekennzeichnet, keine verifizierten Marktdurchschnittswerte.
Anzeige: In eigener Sache – hinter dieser Seite und hinter PSCoat steht dieselbe Gesellschaft.
Was nach dem Bericht kommt
Der Prüfbericht liefert die Grundlage, nicht schon die Lösung – die eigentliche Sanierungsentscheidung folgt erst danach. Für die energetische Ertüchtigung von Gebäudehüllen, Dächern und technischen Anlagen bietet die Betreiberin dieser Seite mit PSCoat eine dünnschichtige Beschichtung an, die neben klassischen WDVS-Lösungen abgewogen werden kann. Wie bei jeder Sanierungsentscheidung gilt: Welches Verfahren zum konkreten Gebäude passt, klärt sich erst im Gespräch mit einem Fachbetrieb vor Ort. Wer sich vorab informieren möchte, findet Grundlagen dazu auf der Website des Anbieters PSCoat.
Weiterlesen